DDR-Oberliga - Die Wendesaison "Maxe" Steinbach: Haarpracht, Dellen und Besuch von Rudi Assauer

Am 1. Spieltag der DDR-Oberliga 1989/90 sorgte auch Wolfgang Steinbach für Aufsehen. Der damals bereits 34 Jahre alte Mittelfeldspieler schoss den 1. FC Magdeburg mit zwei Standardtoren zum Sieg. Im Interview verriet er uns unter anderem, warum er "Maxe" genannt wird, wie es zu seiner Rückkehr zum FCM kam, warum Rudi Assauer bei ihm klingelte.

Herr Steinbach, wo sind Ihre tolle Mähne und der Schnauzer hin?
Wolfgang Steinbach: (lacht) Die Haarpracht ist doch noch da! Sie ist nur kurzgeschnitten. Diese Lockenmähne – das war halt die Zeit von Kevin Keegan. Ich wollte die Haare wie er haben.

Der ehemalige Fußballer Wolfgang Steinbach
"Maxe" Steinbach mit Olympia-Medaille und FCM-Pokal Bildrechte: Wolfgang Steinbach

Woher kommt eigentlich der Spitzname "Maxe"?
Den haben mir mit 12 oder 13 Jahren meine Brüder gegeben. In der Zeit war ich als Kind sehr wild und in jede Schlägerei verwickelt. In Anlehnung an „Max und Moritz“ haben sie mir da diesen Namen verpasst.

Sie sind 64 Jahre – jetzt lassen Sie es schon etwas ruhiger angehen, oder?
Ich bin seit Juni offiziell Rentner.

Ist Ihnen schon langweilig?
Nein, im Sommer ist auf dem Grundstück immer etwas zu tun. Und seit 1. Juli bin ich ja wieder Trainer beim BV Cloppenburg. Die sind vor einem Jahr aus der Regionalliga abgestiegen und nun sogar in die Landesliga abgerutscht. Da habe ich mich überreden lassen, das in die Hand zu nehmen. Um einen weiteren Abstieg zu verhindern.

Zu Beginn 89/90 waren Sie schon 34 Jahre, bald 35 Jahre – im Fußball ist man da ein Oldie. Wurden Sie damals von den Kollegen belächelt?

DDR Oberliga Saison 1989/1990 zwischen 1. FC Magdeburg und SG Dynamo Dresden - Wolfgang Steinbach gegen Ralf Hauptmann (2.v.re., Dresden).
Szene aus dem Spiel FCM gegen Dynamo Dresden Bildrechte: imago/Rust

Damals gab es noch einige Fußballer, die im fortgeschrittenen Alter waren, also über 30. Ich bin in meiner Karriere immer von großen Verletzungen verschont geblieben und hatte mit der körperlichen Fitness nie Probleme. Von daher hat mir das nicht viel ausgemacht. 1990 bin ich sogar noch zum VfB Oldenburg  gewechselt und habe da noch drei Jahre zweite Bundesliga gespielt.

Ihre Oberliga-Karriere hat eine kleine Delle: Von 1987 bis 1988 spielten Sie 1,5 Jahre bei Zweitligist Schönebeck, kehrten dann aber wieder nach Magdeburg zurück. Wie kam es dazu?
Ich wäre ja nie aus Magdeburg weggegangen, wurde aber 1987 aussortiert. Da bin zu Motor Schönebeck in die DDR-Liga. In Schönebeck bin ich ja geboren, meine Frau kam da her, meine Eltern und Geschwister wohnten noch da. Joachim Streich hat mich dann zurückgeholt, weil es ein paar Probleme gab. Ähnliche Probleme wie jetzt: Der FCM hatte eine ganz junge Mannschaft, der die Erfahrung fehlte. Den Schritt zurück habe ich nie bereut. So konnte ich wieder zu meinem Lieblingsverein im Osten.

Wolfgang Steinbach im Fußball Panorama im Interview
Bildrechte: MDR/DRA

Ist die Saison 1989/90 bei Ihnen noch präsent?
Eigentlich nicht so sehr, aber ein Kumpel hat mir vor kurzem per WhatsApp etwas über den ersten Spieltag der Saison geschickt. Da haben wir in Jena 2:0 gewonnen, und ich habe ein Freistoßtor und ein Elfmetertor gemacht.

Damit sind Sie ja schon direkt in unserer Zeitreise in die DDR-Oberliga …
Das ist wirklich eine tolle Erinnerung, denn damals hatten wir ja keine DVDs oder Videokassetten, um diese Sachen zu archivieren. Jetzt kann ich das meinen Enkelkindern zeigen. Die können sich, wenn sie mich heute sehen, nicht vorstellen, dass ich mal Fußball gespielt habe.

Ihre Enkel können sicher auch nicht verstehen, was damals politisch abging.
Das konnten wir damals selbst nicht. Zu Beginn der Saison war jedenfalls echt nicht abzusehen, was im Herbst passieren sollte. Mit den ganzen Demonstrationen. Da rückte das Sportliche total in den Hintergrund. Auch bei uns wurde das alles in der Kabine immer öfter diskutiert. Nach der Winterpause fragten wir uns dann vermehrt, was wir in der kommenden Saison machen.

Sie gingen dann nach Oldenburg.
Geplant war das aber anders. Eigentlich wollte ich im Sommer 1990 zum TSV Verden, der damals in der Verbandsliga spielte. Ich sollte leitender Mitarbeiter in einem Getränkecenter werden und gleichzeitig als Spielertrainer arbeiten.

Was kam dazwischen?
Eines Abends klingelte es in unserer Reihenhaushälfte in der Nähe von Verden an der Tür. Draußen standen Rudi Assauer, der damals Oldenburg managte, und Trainer Wolfgang Sidka. Weil wir noch keine neuen Möbel hatten, saßen wir dann auf der Treppe und unterhielten uns über Fußball. Und ob ich bereit wäre, nach Oldenburg in die 2. Bundesliga zu wechseln. Wir machten einen Vertrag, dann fuhren sie wieder weg.

Der TSV Verden war sicher nicht begeistert.
Rudi Assauer hat sich darum gekümmert, dass die kein großes Theater machen. Die haben mich dann schnell aus dem Vertrag rausgelassen.

Zurück zur Oberliga-Zeit. Welche Fotos oder Urkunden hängen bei Ihnen an der Wohnzimmer-Wand, die daran erinnern?
Meine Frau hat für mich zwei große Collagen mit Bildern und Artikeln gebastelt. Die hängen in meinem Zimmer. Und dann steht hier mein Pokal, den ich 2006 als „Bester FCM-Spieler aller Zeiten“ bekommen habe.

Wo liegt Ihre Olympia-Silbermedaille von Moskau 1980?
Hier in der Schublade, auf die kann ich sofort zurückgreifen! (lacht)

Gibt es noch Kontakte zu alten FCM-Kollegen?
Natürlich! Dirk Stahmann, Dirk Heyne, Frank Siersleben oder Martin Hoffmann – das sind alles Kollegen, mit denen ich öfter mal telefoniere und schreibe. In den 30 Jahren, die seit der Zeit damals vergangen sind, ist das natürlich etwas weniger geworden. Aber das ist ja ganz normal.

(Interview: Sven Kups)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 17. August 2019 | 16:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. August 2019, 22:36 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

14 Kommentare

18.08.2019 16:57 Günter Stoye 14

Maxe Steinbach ist eine lebende FCM Legente!!!!
Er war ein genialer Fußballer!!!
Einmal Blauweiss! ! !
Immer Blauweiss! ! !

18.08.2019 12:00 Steffen Kern 13

Maxe ist eine FCM Legende es war immer schön Ihn spielen zu sehen , es ist lang her aber Du bleibst unvergessen für die vielen schönen Spiele
BWG aus Sachsen

18.08.2019 10:07 ClubFan Manni 12

Maxe war der beste von allen guten, aber an ihn kommt keiner Ran. Im Video sieht man ja, das der eine Waffe in Mann gegen Mann war, das gibt es beim FCM nicht mehr ( leider) der ist über 60 und sagt " Mein FCM ist meine Mannschaft" da sollten sich einige Spieler Mal verinnern.

18.08.2019 08:37 U.Hintze 11

Maxe Steinbach eine von vielen Legenden beim FCM.✌️

17.08.2019 22:30 Marathoni 10

Ich erinnere mich noch an Maxes Bauerntrick bei der Ausführung eines Freistoßes. Weiß jemand, in welchem Spiel das war?

17.08.2019 22:22 Marathoni 9

Ich erinnere mich noch an Maxes Bauerntrick bei der Ausführung eines Freistoßes. Weiß jemand in welchem Spiel dies war?

17.08.2019 19:17 ein Dynamo 8

Die guten alten Zeiten. Natürlich kann ich mich noch an Maxe Steinbach erinnern. Lang ist es her.

17.08.2019 16:39 Paul 7

Die guten alten Zeiten

17.08.2019 16:37 Pit M. 6

Die guten alten Zeiten

17.08.2019 13:53 Jontom 5

Maxe Steinbach einer der genialsten Spieler der DDR. Unvergessen die 3 Tore gegen Dynamo, Maxe Steinbach 1,2 3 und die 2 Tore gegen Schalke aus gefühlten 35 Metern, die man fast als Kopie übereinder legen konnte, wobei das eine glaub ich links einschlug und der andere rechts.
Auch unvergesslich beim Spiel im K.M. Stadt als wir durch ein Tor von Achim Streich zum glaub ich am Ende 1:1 spielten. Achim jubelte glaub ich schon als dieser Hammer seinen Fuß verließ und dann unhaltbar einschlug. Es war damals der gefühlte Einzug in den Uefacup weil zur selben Zeit Dresden beim FCV 2:0 führte. Maxe Steinbach jubelte auf Knien vor dem FCM - BLOCK. Unfassbar das der FCV das noch ausglich und der FCM am Ende mit leeren Händen da stand. Aber so wie bei vielen der Titel des BFC Dynamo hatte da gefühlt auch der Staat seine Hände im Spiel.