08.11.2019 | 06:00 Uhr Freiberger Forscher warnen vor Bau neuer Müllverbrennungsanlagen

Durch den Kohleausstieg können pro Jahr über 600.000 Tonnen Ersatzbrennstoffe - aus sortiertem Restmüll gepresste Pellets - künftig nicht mehr in den Braunkohlekraftwerken Jänschwalde und Schwarze Pumpe mitverbrannt werden. Doch wo dann? Freiberger Forscher kritisieren die Planungen neuer Müllverbrennungsanlagen als "nicht nachhaltig". Sie haben eine andere Technik entwickelt.

Ein Kohlekraftwerk und Windräder produzieren Strom.
Der Kohleausstieg wirkt sich auf die Müllentsorgung aus. Künftig können keine Ersatzbrennstoffe - hergestellt aus Müll - dort mehr verbrannt werden. Bildrechte: dpa

"Wenn die Kohlekraftwerke vom Netz gehen, brauchen wir neue Lösungen für die Entsorgung des Restmülls", erklärt Bernd Meyer, Direktor des Instituts für Energieverfahrenstechnik und Chemieingenieurwesen (IEC) an der TU Freiberg. Der Müllmarkt stehe schon jetzt unter Druck. Vorhandene Müllverbrennungsanlagen seien ausgelastet und Asien habe die Märkte für den Müllexport gedrosselt. Dass der Trend gerade zum Bau neuer Müllverbrennungsanlagen - beispielsweise in Jänschwalde und Chemnitz - geht, kann Meyer nicht verstehen und spricht von einem Anachronismus.

Chemisches Recycling als mögliche Alternative

Meyer und sein Forscherteam tüfteln stattdessen seit Jahren an einer neuen Technik: das chemische Recycling. "Der Umweltnutzen und das CO2-Emissionsminderungpotenzial sind viel höher", erklärt Meyer und verweist auf weltweite Anstrengungen, chemisches Recycling als umwelt- und ressourcenschonende Lösung des Abfallproblems zu etablieren. In dem in Freiberg entwickelten Verfahren wird Müll in einer Vergasungsanlage behandelt. Dabei entstehen Gase für chemische Synthese und verglaste Schlacke, die als Baustoff genutzt werden kann.

Geringes Interesse an Freiberger Entwicklung

Das Problem: Während die Planungen für die neuen Müllverbrennungsanlagen voranschreiten, läuft den Forschern die Zeit weg. Zwar wollen sich das Land Sachsen-Anhalt und auch die Fraunhofergesellschaft an Kosten für eine Demonstrationsanlage beteiligen, eine Zusage des zuständigen Bundesforschungsministeriums steht jedoch aus. Die Demonstrationsanlage ist notwendig, um das Verfahren endgültig zu testen und zur Industriereife zu bringen.

Einen ausführlichen Bericht zum Thema lesen Sie hier:

Professor Bernd Meyer, IEC TU Freiberg, vor einer Anlage. 11 min
Bildrechte: MDR/Katrin Tominski

Quelle: MDR/kt/bj/dk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 08.11.2019 | 08:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. November 2019, 06:00 Uhr

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