Pogrom-Gedenken auf dem Chemnitzer Kaßberg
Bildrechte: Harry Härtel

08.11.2019 | 19:47 Uhr Erste Pogrom-Gedenken in Sachsen - besondere Wende in Groitzsch

Pogrom-Gedenken auf dem Chemnitzer Kaßberg
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In Chemnitz und Leipzig ist am Freitag der Opfer der Pogrome vom 9. November 1938 gedacht worden. In Chemnitz gab es zunächst eine Gedenkveranstaltung am Stephanplatz auf dem Kaßberg. Im Anschluss daran stand in der Synagoge ein Gespräch zum Thema "Jüdisches Leben in Chemnitz" auf dem Programm. "Wir erhoffen uns, das man miteinander ins Gespräch kommt und redet, weil miteinander reden ist immer besser als übereinander reden", so Stadtsprecher Matthias Nowak.

Pogrom-Gedenken auf dem Chemnitzer Kaßberg
Pogrom-Gedenken auf dem Chemnitzer Kaßberg Bildrechte: Harry Härtel

Wir wollen Vorurteile abbauen, wir wollen alle zusammen gemeinsam friedlich in Chemnitz leben. Wir haben die Jüdische Gemeinde gebeten, einige ihrer Vertreter aufs Podium zu setzen. Sie sollen einfach mal erzählen, wie ihr Alltag in Chemnitz heute ist. Fühlen sie sich bedroht oder nicht, leben sie ganz normal in der Stadt wie alle anderen Bürger auch?

Matthias Nowak Stadtsprecher Chemnitz

Stolpersteine in Leipzig geputzt

In Leipzig wurden - wie vielerorts in Sachsen - Stolpersteine geputzt. 200 davon gibt es inzwischen in Leipzig. Sie erinnern an jene Menschen, die von den Nazis verfolgt, deportiert und ermordet worden sind. "Erinnern ist nicht, Daten zu wissen", sagte Landesrabbiner Zsolt Balla. "Sondern die Zeichen zu sehen in der heutigen Gesellschaft, dass solche Sachen in Zukunft nicht mehr passieren können."

Überraschende Wende in Groitzsch

Auch in Groitzsch im Landkreis Leipzig soll die Stolperstein-Erinnerungskultur verankert werden. Doch der für die 1942 deportierte Jüdin Anna Reichardt geplante Stolperstein durfte nicht verlegt werden. Grund: Der Eigentümer war dagegen und so lehnte auch der Stadtrat die Verlegung des Steins ab. Nun ist Bewegung in die Sache gekommen und der Verein Erich-Zeigner-Haus darf doch an Anna Reichardt in geplanter Form erinnern. Bürgermeister Maik Kunze überbrachte am Freitag die Botschaft. "Wir erteilen die Zustimmung vor dem besagten Haus und sehen das als weiteres Symbol gegen das Vergessen." Henry Lewkowitz vom Zeigner-Haus freute sich über die "positive Nachricht aus Groitzsch". Sie sei die richtige Entscheidung zur richtigen Zeit.

Am Sonnabend finden in ganz Sachsen weitere Gedenkveranstaltungen statt, unter anderem in Görlitz, Dresden und Zwickau.

Quelle: MDR/dk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 08.11.2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. November 2019, 19:47 Uhr

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