Erstklassig – die Kolumne Trainer gegen Spieler: Dem Syntainics MBC droht die Machtprobe

MBC-Coach Björn Harmsen stellt einzelne Spieler öffentlich an den Pranger. Sein Frust ist verständlich, schreibt unser Autor. Die Situation birgt für das Bundesliga-Schlusslicht zwar eine Chance, aber auch große Gefahr.

Daniel George
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

von Daniel George, MDR SACHSEN-ANHALT

MBC Kolumne Björn Harmsen
MBC-Coach Björn Harmsen kritisierte einzelne Spieler öffentlich hart. Bildrechte: MDR/Imago

Es wird gerade diskutiert in Basketball-Deutschland. Darüber, dass zu wenig diskutiert wird in Basketball-Deutschland. Angeregt haben diese Debatte die Medien-Menschen Michael Körner und Alexander Dechant in ihrem Podcast "Abteilung Basketball". Weil sie sich mehr Aufmerksamkeit für den "einzig wahren Hallensport" wünschen. Finde ich gut. Mehr Gespräche über Basketball – sehr gerne!

Nur: Dass ausgerechnet der Mitteldeutsche Basketball Club (MBC) jetzt bundesweit für solchen Gesprächsstoff sorgt, ist gefährlich – zumindest für den Klub. Denn: Nach der öffentlichen Kritik von Cheftrainer Björn Harmsen an einzelnen Spielern steht der Bundesligist am Scheideweg.

Ist der Weg zur Einheit verbaut?

Nach dem 88:87-Erfolg gegen Vechta hatte Harmsen öffentlich Profis angegriffen. Er sagte: "Wir haben heute Spieler aus der Rotation gelassen, die sich für den Klub nicht den Arsch aufreißen. Jeden Tag im Training ist es eine Frechheit, was sie abliefern, wie sie sich verhalten, mit welcher Einstellung sie reingehen." Einigen sei es "scheißegal", was mit dem Klub passiere.

Die Adressaten: Benedikt Turudic, Ferdinand Zylka und allen voran Jovan Novak. Das Trio spielte gar nicht (Turudic) oder nur etwas mehr als eine Minute (Zylka und Novak). Auch Publikumsliebling Sergio Kerusch stand nur zehn Minuten auf dem Parkett und dürfte nicht gänzlich ausgenommen sein von der Kritik.

Björn Harmsen 4 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Do 13.02.2020 10:32Uhr 03:42 min

https://www.mdr.de/sport/sport-im-osten/video-382188.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Der Frust von Harmsen ist verständlich, auch wenn die Art seiner Kritik gefährlich ist. Harmsen sprach aus der Emotion heraus. Denn der 37-Jährige übernahm die Mannschaft im November vergangenen Jahres in einer nicht bundesligatauglichen Verfassung von seinem Vorgänger Wojciech Kaminski. Die Wölfe waren nicht fit und sie waren keine Einheit.

Fit sind sie mittlerweile, jedenfalls die meisten von ihnen. Nur so gelang der Sieg gegen Vechta. Doch der Weg zur Einheit könnte nach dem Wut-Ausbruch endgültig verbaut sein.

Spaltet sich das Team?

Es gibt zwei Richtungen, in die sich das Mannschaftsgefüge beim Syntainics MBC jetzt bewegen kann. Die erste – und die wäre wünschenswert aus MBC-Sicht: Die angesprochenen Spieler zeigen eine positive Trotzreaktion. Sie kämpfen, im Training wie in den Spielen, und werden wieder zu einem wichtigen Mitglied des Teams. Denn das waren sie alle bereits in der vergangenen Saison. Oder die restlichen Spieler rücken noch enger zusammen, auch das ist denkbar. Harmsen hat die Situation bewusst eskalieren lassen. Denn er weiß: Das kann die Chance für einen Neuanfang sein.

Die zweite Richtung allerdings würde ein großes Problem bedeuten, denn sie wäre: Die angesprochenen Spieler schließen komplett mit dieser Spielzeit und vor allem mit dem Coach ab, lassen sich weiterhin hängen. Gerade bei einem sensiblen Geist wie Jovan Novak besteht diese Gefahr. Die Lektion, die Harmsen ihnen durch die wenige Spielzeit und öffentliche Kritik erteilte, könnte in diesem Fall erst der Anfang einer internen Machtprobe gewesen sein. Die Mannschaft könnte sich spalten.

Und dann müsste sich der Verein entschieden: Steht er auf Spieler- oder auf Trainerseite? Die jüngsten Aussagen von MBC-Manager Martin Geissler lassen die Antwort erahnen: Die Inhalte könne er zwar teilen, aber "die Wortwahl" nicht, sagte Geissler. Und weiter: "Wir werden alles dafür tun, Spieler und Trainer in die gleiche Richtung zu bringen."

Doch sollte das nicht gelingen, hätte Harmsen wenige Argumente auf seiner Seite: Von seinen 13 Pflichtspielen als MBC-Coach hat er zwei gewonnen. Sein Vorgänger Wojciech Kaminski hatte zwei Siege in acht Partien vorzuweisen. Manager Geissler hatte vor dem Vechta-Spiel, dem ersten Liga-Heimsieg der Saison, gesagt: "Auch er weiß, worum es für ihn geht." Von einer Jobgarantie ist Harmsen offensichtlich weit entfernt.

Klärungsbedarf beim Syntainics MBC

Doch auch auf die Spieler hatte das Management zuletzt mit Forderung nach mehr Kampfgeist und Geschlossenheit den Druck erhöht. Und die meisten haben die Situation mittlerweile verstanden: David Brembly mit neuer Karriere-Bestleistung mit 23 Punkten zum Beispiel – genau wie Strahinja Micovic, Andrew Warren, Kaza Kajami-Keane, Joey Dorsey, Tremmell Darden und Marko Krstanovic. Auch Sergio Kerusch lässt sich jedenfalls der Kampfeswille keinesfalls absprechen.

Basketball 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

MDR um 11 Do 13.02.2020 11:00Uhr 01:22 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Mit einer Rotation aus sechs bis acht Spielern wird die restliche Saison für den Syntainics MBC eine kräftezehrende. 13 Partien stehen noch auf dem Spielplan, darunter im Abstiegskampf entscheidende Heimspiele gegen die direkten Konkurrenten Bonn und Hamburg. Die Wölfe werden jeden Spieler im Kader brauchen. Gegen Vechta hatte Spielmacher Kajami-Keane mit Krämpfen zu kämpfen – Jovan Novak, immerhin bester Vorlagengeber der gesamten Liga, hätte zumindest für Entlastung sorgen können.

Bis zum nächsten Ligaspiel bleiben dem Syntainics MBC nun dreieinhalb Wochen. Am 7. März gastiert Braunschweig in der Stadthalle Weißenfels. In der kommenden Woche geht es zunächst einmal ins Trainingslager nach Slowenien. Es bleibt also viel Zeit zum Diskutieren – und zwar vor allem beim Syntainics MBC intern.

Daniel George
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Über den Autor Daniel George ist zwar zwei Meter lang. Zum Basketball-Profi hat es trotzdem nicht gereicht. Dafür für eine stabile Karriere beim TSV Niederndodeleben, dem besten Dorfverein der Welt.

Weil das eigene sportliche Talent überschaubar war, konzentrierte sich der 26-Jährige früh auf das journalistische Handwerk. Der gebürtige Magdeburger berichtete bereits über zahlreiche Klubs aus Sachsen-Anhalt: die BSW Sixers, die Aschersleben Tigers, den BBC Magdeburg oder den BC Anhalt aus Dessau.

In seiner Kolumne "Erstklassig" schreibt er für MDR SACHSEN-ANHALT regelmäßig über den Mitteldeutschen BC.

Quelle: MDR/dg

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 13. Februar 2020 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Februar 2020, 11:05 Uhr

404 Not Found

Not Found

The requested URL /api/v1/talk/includes/html/84f2cb09-37cb-45b5-b78c-f10532b9c35b was not found on this server.

Mehr Sport aus Sachsen-Anhalt