Enercon Niederlassung in Magdeburg
Bei Enercon in Magdeburg sollen nach Gewerkschaftsangaben 800 Stellen gestrichen werden. Bildrechte: IMAGO

Stellenabbau 1.500 Arbeitsplätze sollen bei Enercon in Magdeburg wegfallen

Bei Enercon am Standort Magdeburg sollen 1.500 Stellen gestrichen werden. Das bestätigte das Unternehmen MDR SACHSEN-ANHALT. Betroffen ist unter anderem die Rothenseer Rotorblattfertigung.

Enercon Niederlassung in Magdeburg
Bei Enercon in Magdeburg sollen nach Gewerkschaftsangaben 800 Stellen gestrichen werden. Bildrechte: IMAGO

Beim Windanlagenhersteller Enercon in Magdeburg drohen massive Entlassungen. Wie ein Reporter von MDR SACHSEN-ANHALT von Felix Rehwald, dem Pressesprecher von Enercon, erfahren hat, sollen hier 1.500 Stellen abgebaut werden.

Am Hauptsitz in Aurich in Niedersachsen sind weitere 400 Entlassungen geplant. In Magdeburg und Aurich gab es am Freitag außerordentliche Betriebsversammlungen, in denen die Mitarbeiter informiert wurden.

Hier am Standort betroffen ist unter anderem die Rothenseer Rotorblattfertigung, eine Firma, die zur Enercon Gruppe gehört. Ein Mitarbeiter sagte nach der Betriebsversammlung, sein Werk mit 400 Mitarbeitern werde Anfang März sogar vollständig geschlossen.

Enercon begründet Stellenabbau

Das Windkraft-Unternehmen hat den geplanten Stellenabbau mit dem drastischen Einbruch des Windenergiemarktes begründet. Man bedauere die Entscheidung. Sie sei aber alternativlos, teilte das Unternehmen am späten Abend mit.

Für die Rotorblattwerke in Magdeburg und Aurich gebe es keine Aufträge mehr. Man sei gezwungen, die Zusammenarbeit mit mehreren Produktionspartnern zu beenden.

In Branchenkreisen hieß es, Enercon wolle deutschlandweit bis zu 3.000 Stellen abbauen.

Wirtschaftminister kritisiert angekündigten Stellenabbau

Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Armin Willingmann kritisierte den angekündigten massiven Stellenabbau. Dies sei ein harter Schlag für die Region, so der Minister.

Mit rund 3.000 Beschäftigten sei Enercon mit seinen Tochterunternehmen einer der größten Arbeitgeber im Norden Sachsen-Anhalts. Willingmann teilte mit, er erwarte von der Enercon-Geschäftsführung, dass der Beschäftigungsabbau nicht allein auf Kosten des Standortes Magdeburg vorgenommen wird.

Das Land habe die Investitionen des Unternehmens wiederholt unterstützt. In der Krise der Windkraftbranche sei nun die Bundesregierung in der Pflicht.

Bundesverband Windenergie: Bundesregierung habe Fehler gemacht

Der Bundesverband Windenergie warnte die Bundesregierung vor weiteren dramatischen Fehlern. Verbandsvorstand Hermann Albers sagte MDR SACHSEN-ANHALT im Interview, nach der Solarbranche werde zum zweiten Mal eine Zukunftsindustrie mit sehr hoher Beschäftigung geopfert. Die restriktiven Maßnahmen der vergangenen Jahre hätten die Branche in eine Notsituation geraten lassen.

Als Beispiele nannte Albers die Umstellung der Fördermechanismen 2017 oder Hemmnisse in den Baugenehmigungsprozessen. Um die industriellen Fertigung im Zulieferer-und Herstellerbereich, die es jetzt noch gebe, zu halten, bräuchten die Unternehmen ein eindeutiges Bekenntnis zur Windenergie. Mit einer zögerlichen Haltung verspiele die Bundesregierung die Zukunft.

Verbandsvorstand Albers: Weitreichende Auswirkungen möglich

Zudem entstünde mit dem Wegfall von Unternehmen wie Enercon letztlich auch eine Stromlücke in der Energieversorgung. Damit würden Unternehmen wie VW, BMW oder Mercedes in der Umstellung auf Elektromobilität bedroht. "Es geht also um viel mehr als nur um Industriepolitik für erneuerbare Energien. Es geht um Industriepolitik für den Standort Deutschland und die Bundesregierung macht hier derzeit dramatische Fehler", so Albers.

Bereits im vergangenen Jahr waren Zulieferbetriebe von Enercon geschlossen und mehr als 800 Stellen gestrichen worden. Enercon hatte diesen Schritt mit mangelnden Aufträgen wegen der Krise in der Windenergie begründet.

Quelle: MDR/rj,mp

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | MDR SACHSEN-ANHALT | 08. November 2019 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. November 2019, 21:18 Uhr

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