Bildung Brennpunktschulen werden für Förderprojekt ausgewählt

200 Schulen in sogenannten sozialen Brennpunkten werden in den kommenden Jahren gezielt von Bund und Ländern gefördert. "Schule macht stark" ist eine Art Forschungsprogramm, bei dem Wissenschaftler zusammen mit Schülern, Lehrern und Eltern neue Strategien und Unterrichtskonzepte ausprobieren. Bis Oktober 2020 werden nun die Schulen ausgewählt, die an dem Programm teilnehmen dürfen.

von Christine Reißing, Landeskorrespondentin Sachsen MDR AKTUELL

Unterricht in einer Grundschule
An sogenannten Brennpunktschulen rückt das Unterrichten zunehmend in den Hintergrund. Bildrechte: imago/wolterfoto

Pause an der 122. Grundschule in Prohlis – einem Plattenbauviertel im Süden Dresdens. 330 Kinder lernen hier Lesen, Schreiben und Rechnen. Viele von ihnen kämen aus schwierigen Verhältnissen, sagt Leiter Karsten Reisinger. So komme es vor, dass Kinder ohne Frühstück in die Schule kommen oder nicht wettergerecht gekleidet seien.

Verallgemeinern könne man diese Fälle nicht, dennoch spricht Reisinger von einer Brennpunktschule. Auch der hohe Migrationsanteil spiele eine Rolle. In der ersten Klasse, erzählt er, erstrecke sich die Entwicklungsspanne auf bis zu zweieinhalb Jahre:

Das Unterrichten als solches, was wir ursprünglich mal gelernt haben, ist eigentlich nicht mehr das Hauptthema bei uns im Alltag.

Karsten Reisinger Schulleiter in Dresden

Im Fokus stehe vielmehr Sozialarbeit, bei der es um die Probleme von Kindern gehe. "Probleme in Familien, die auf die Schule abfärben, die sich hier widerspiegeln. Wo wir also gefragt sind", erklärt Reisinger.

Damit kommt seine Schule als eine von 200 für das bundesweite Programm "Schule macht stark" infrage. Nils Geißler, Referatsleiter im sächsischen Kultusministerium erklärt: "Von den 200 werden nur ungefähr fünf Prozent in Sachsen sein. Also etwa zehn Schulen werden in Sachsen Teil dieses Forschungsprogramms sein."

Hoher sonderpädagogischer Förderbedarf

Doch wie viele Schulen hätten generell Bedarf an solch einem Programm? Genau definiert sind Brennpunktschulen in Sachsen nicht. Es gibt aber jene, die sogenannte Schulassistenten zur Unterstützung der Lehrer beschäftigen. Kommendes Jahr werden das insgesamt 175 sein.

Geißler erklärt, nach welchen Kriterien die Schulen ausgewählt werden: Man schaue, ob es etwa besonders viele Migranten an einer Schule gebe, ob an einer Oberschule besonders viele Schüler im Hauptschul-Bildungsgang seien, oder ob es viele Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf gebe. Aus den Schulen, die nach diesen Kriterien in Frage kommen, "von denen wiederum werden wir welche für dieses Programm des Bundes auswählen", erklärt Geißler.

"Sozialindex" für spezielle Bedürfnisse

Juri Haas von der Bildungsgewerkschaft GEW findet es gut, dass sich Bund und Länder die Lernbedingungen an Brennpunktschulen anschauen wollen, es reicht ihm aber nicht. Er fordert, Schulen finanziell und personell nach ihren speziellen Bedürfnissen auszustatten – mit einem sogenannten Sozialindex.

Haas erklärt: "Zum Sozialindex würde gehören, dass man sich in einem Stadtviertel anschaut: Wie viele Familien beziehen dort Sozialhilfe? Wie hoch ist die Arbeitslosigkeit?". Zudem müsse man sehen, wie viele Schülerinnen und Schüler es mit einem besonderen Förderbedarf an der Schule gebe und wie oft das Jugendamt intervenieren müsse.

Je höher die soziale Belastung, desto mehr Geld gibt es dabei pro Schule – für zusätzliche Personalstunden, Sprachförderung oder kleinere Klassen. Haas ist Grundschullehrer in Gorbitz – dem zweiten großen Plattenbauviertel Dresdens. Auch das dürfte von einem Sozialindex profitieren.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 06. Januar 2020 | 06:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Januar 2020, 05:00 Uhr

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