Kohleausstieg Bürgermeister erleichtert über Ausstiegsdatum von Schkopau

Dass das Kraftwerk von Schkopau nicht schon 2026 vom Netz genommen wird, ist eine Überraschung der Einigung über den Kohleausstieg. In Schkopau selbst wurde das mit Erleichterung aufgenommen.

von Jessica Brautzsch, MDR AKTUELL

Die Silhouette des Kraftwerkes Schkopau zeichnet sich im Gegenlicht der Sonne ab.
Weithin sichtbare Landmarke: Das Kraftwerk Schkopau. Bildrechte: dpa

In der flachen Landschaft des Saalekreises in Sachsen-Anhalt ist das Kraftwerk Schkopau aus jeder Himmelsrichtung schon von Weitem zu sehen. Die beiden weißen, qualmenden Kühltürme ragen breit über das Land. Nur noch überboten von dem gut 200 Meter hohen, schmalen Kamin. Gerade aus diesem kommt der meiste Rauch.

Geruchlos und so weiß und dicht, als könne man ihn greifen, selbst die strahlende Mittagssonne durchdringt ihn nicht. Zwischen dem steilen Kamin und den Kühltürmen stehen in perfekter Symmetrie die zwei dunkel-mintgrünen Blöcke. Groß wie Hochhäuser, allerdings ohne Fenster. Wie wichtig dieses landschaftsbildbestimmende Bauwerk für die Einheitsgemeinde Schkopau ist, erklärt Bürgermeister Thorsten Ringling:

"Der Rohstoff selbst, der bei uns verbrannt wird, spielt in unserer Gemeinde nicht die große Rolle. Aber natürlich das Kraftwerk", das habe für die Gemeinde eine große Bedeutung, erläutert Ringling. Es sei der Energielieferant für den Valuepark, den großen Industriepark, der auf dem ehemaligen Gelände des Buna-Werkes 1990 hier entstanden sei. "Und in diesem Zusammenhang sind wir von der aktuellen Diskussion und den aktuellen Entscheidungen stark betroffen".

Bürger sind nicht beunruhigt

Betroffen ja. Doch die Menschen in der Einheitsgemeinde Schkopau zeigen sich nicht übermäßig beunruhigt. Wie dieser Bürger aus dem Schkopauer Ortsteil Korbetha: "Das ist ja für die Umwelt soweit alles in Ordnung. Es muss halt nur darauf aufgepasst werden, wie sieht es mit Arbeitsplätzen aus?" Frage Nummer zwei sei: "Was ist mit dem Steueraufkommen, wenn das zumacht. Bleibt das gleich oder nicht, denn die Kommunen müssen sich ja auch ein bisschen finanzieren", sagt der befragte Bürger.

Eben diese Fragen beschäftigen auch Bürgermeister Ringling. Die Frage nach den Arbeitsplätzen lässt sich zumindest teilweise klären. Das Kohlekraftwerk werde nach seiner Schließung durch ein Gaskraftwerk ersetzt werden. Ein Großteil der jetzigen rund 140 Mitarbeiter könne dort Arbeit finden. Doch das Gaskraftwerk bedeutet auch massive finanzielle Verluste für die Gemeinde, erklärt Ringling:

"Das Gaskraftwerk würde dann immer noch Uniper gehören. Und zwar dann – nach jetzigem Wissenstand – zu hundert Prozent. Aber der Sitz der Gesellschaft wäre eben in Düsseldorf." Die Gewerbesteuer würde wahrscheinlich in erster Linie in Düsseldorf gezahlt werden, spekuliert Ringling.

Schkopau "erleichtert" über Einnahmequelle

Das aktuelle Kohlekraftwerk gehört teils Uniper, teils der Saale Energie GmbH mit Sitz in Schkopau. Dadurch kann die Gemeinde derzeit noch mit Gewerbesteuereinnahmen in Millionenhöhe rechnen. Dass diese Einnahmequelle nicht schon 2026 wegbricht, ist für Bürgermeister Ringling eine große Erleichterung:

Das ist sehr angenehm. Weil es uns ja auch ein bisschen die Zeit gibt, uns auf geringere Gewerbesteuereinnahmen einzustellen.

Thorsten Ringling, Bürgermeister von Schkopau

Noch fast 15 Jahre, bis 2034, bleibt in Schkopau alles, wie es ist. Der weiße Rauch wird sich weiter über dem Kamin des Kraftwerks zerfasern. Und unter den Kühltürmen wird Wasser in ein grünes Becken plätschern. Doch die Konkurrenz zu diesem konventionellen Energieproduzenten nähert sich. Am Horizont drehen sich Windräder. Und keine hundert Meter neben dem Kraftwerk Schkopau wandeln Solarzellen Sonnenlicht in umweltfreundliche Energie um.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 17. Januar 2020 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Januar 2020, 05:00 Uhr

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