geschlossener Laden einer ehemaligen Bäckerei
Eine leerstehende Bäckerei. Bildrechte: imago/reportandum

Leipzig, Dresden, Magdeburg Hohe Mieten verdrängen Handwerker aus Innenstädten

Die steigenden Mieten in den deutschen Städten bereiten nicht nur Bürgern Probleme, sondern auch zunehmend den Handwerksbetrieben. Das berichtet der Zentralverband des Deutschen Handwerks. Eine Umfrage unter 5.000 Betrieben hat ergeben, dass sich viele die Mieten und Immobilien in den Innenstädten und Wohnvierteln nicht mehr leisten können. Der Verband spricht von einem "echten Verdrängungswettbewerb".

von Linda Schildbach, MDR AKTUELL

geschlossener Laden einer ehemaligen Bäckerei
Eine leerstehende Bäckerei. Bildrechte: imago/reportandum

Zehn Jahre lang hatte Beate Günther ihr Geschäft "City Optik" in der beliebten Hainstraße in der Leipziger Innenstadt. Zu Beginn war die Straße nur der kürzeste Weg zum alten Rathaus, doch dann kamen die Höfe am Brühl sowie eine andere große Modekette hinzu.

Einkaufszentrum Höfe am Brühl
Das Einkaufszentrum "Höfe am Brühl" hat einige Handwerker aus der Leipziger Innenstadt verdrängt. Bildrechte: imago/imagebroker

Optikerin Günther dachte, sie könne ihren Mietvertrag erneuern. Doch dann kam ein Schreiben vom Vermieter. Beater Günter erinnert sich an den Inhalt: "Es gibt so viele Bewerber auf dieses Geschäft und die würden deutlich mehr bezahlen. Wir müssen uns mal über die Miete unterhalten." Die neue Miete sei für sie "grenzwertig" gewesen.

Beate Günther hatte Glück und hat eine andere Adresse in der Innenstadt gefunden. Doch es geht nicht allen Leipziger Handwerksbetrieben so, findet die Optikerin:

Gehen Sie einfach durch die Stadt und gucken Sie, wo noch ein inhabergeführtes Geschäft zu finden ist. Das ist so verschwindend gering. Es ist wirklich traurig, für eine Stadt wie Leipzig, die auch bekannt für bunten Handel ist. Es ist zum Schluss alles dasselbe, von München bis Hamburg.

Beate Günther Inhaberin City Optik Leipzig

Verdrängung aus Innenstädten in Dresden und Leipzig

Zahlen, ob es sich in Leipzig bereits um einen Verdrängungswettbewerb handelt, habe man keine, teilte die Handwerkskammer auf Anfrage von MDR AKTUELL mit.
Aus der Beratung wisse man aber, dass es immer wieder Einzelfälle gibt, die mit steigenden Mieten konfrontiert waren oder keine geeignete Gewerbefläche finden konnten.

Eine Frau bekommt einen Haarschnitt
Besonders für Friseure, die von Kundennähe abhängig sind, ist die Verdrängung gefährlich. Bildrechte: dpa

In Dresden dagegen sei das Verdrängungsgefühl für die Betriebe bereits real, sagt der Hauptgeschäftsführer der Dresdner Handwerkskammer, Andreas Brzezinski. So stelle man zunehmend fest, dass auch Mischgebiete, in denen sowohl Gewerbe als auch Wohnbebauung existieren würden, bei der Städteplanung in Wohngebiete umgewandelt würden. Damit bestünde nicht mehr die Möglichkeit, dort gewerbliche Tätigkeiten auszuüben.

Anfang des Jahres hatte sich die Handwerkskammer bereits in einem offenen Brief an die Stadt gewandt. Doch auch mit den Anwohnern käme es zu Konflikten, erzählt Brzezinski. So störten sie sich unter anderem an den Gerüchen oder dem Lärm bei der Anlieferung.

Thüringens Handwerker ohne Mietprobleme

In Ostthüringen haben die Handwerksbetriebe dagegen noch keine solchen Probleme gemeldet, sagt Kammersprecher André Kühne. Auch nicht in Städten wie Jena oder Erfurt, wo die Mieten vergleichsweise hoch seien. Das liege laut Kühne daran, dass ein Großteil der Betriebe schon lange in den Zentren existieren würden. Deswegen könnten sie auf mehr Immobilien zurückgreifen. Damit treffe die Problematik der steigenden Mieten auf einen Großteil der Handwerker nicht zu.

Unterschiede zwischen Halle und Magdeburg

Für Sachsen-Anhalt gibt es unterschiedliche Befunde. In Halle hat man, laut Dirk Neumann von der Handwerkskammer, bisher keine Klagen der Betriebe erhalten. Man beobachte jedoch die Entwicklung der Mieten. 

In Magdeburg könnten sich die Handwerker dagegen die Innenstadt teils nicht mehr leisten, sagt Kammergeschäftsführer Burghard Grupe: "Man muss schließlich die Mieten, die man zahlt, auf die Preise umlegen. Und trotz guter Konjunktur muss man da aufpassen, wenn die Preise immer mehr steigen. Dann wird irgendwann der Verbraucher auch mal ausweichen. Und das ist für die Betriebe wirklich schwer zu verkraften."

Besonders würden darunter Handwerksbetriebe mit Kundenkontakt leiden, wie Bäcker, Optiker oder Friseursalons, die nicht einfach so in den Stadtrand abwandern könnten. Burghard Grupe von der Handwerkskammer Magdeburg fordert deshalb von der Politik, günstige Gewerbehöfe für die Handwerker in den Innenstädten zu schaffen, um die Mischung von Handel und Gewerbe zu erhalten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 19. August 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. August 2019, 05:09 Uhr

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9 Kommentare

19.08.2019 16:00 Fragender Rentner 9

Kann mich an Früher erinnern, da gehörte das Haus auch den Handwerkern.

Was ist heute nur anders gewurden?

19.08.2019 15:48 C.T. 8

Jedesmal, wenn ich mir ein Stadtbild der Zukunft phantasiere, laufen Kamele durch das "Bild"... Warum nur?

19.08.2019 15:46 Manni 7

Immer weg mit den Handwerkern.
Die brauchen wir nicht.

19.08.2019 15:28 frank d 6

Vieleicht hatten sie ja auch die Nase voll immer mehr reguliert zu werden, und die Früchte ihres Fleißes an die Verbalmoralapostel abzugeben. Eventuell ist das ja die Aktion „Every Day for Future“ Klimasparen ? Keine Bäcker und Fleischer keine Massenpflanzenhaltung und kein Tierleid. Fragt doch bei den Aktivisten nach was ihr tun sollt? Oder fragt ob ihr gerettet werdet. Tolle erklärung die Mieten also, werte MDR schaffende warum dann das gleiche Bild in den kleinen Städten? Wie wäre es denn wenn der MDR darauf verzichtet bei allen kleinen Betrieben noch mehrmals die Haushaltsabgabe einzufordern? Sapere aude.

19.08.2019 14:49 Frank d 5

Warum sollte irgend jemand mehr tun als er muss? Um sich auch noch von allen möglichen Maßregeln zu lassen? Von seiner Haltung kann man doch viel besser leben. Und sich auch noch ständig für seine eigenen Tollheiten selber feiern. Was ist Los haben die Moralisten bedenken das sie bald selber was tun müssen um zu essen? Das ist gelebter Klimaschutz. kein Angebot kein Konsum, ihr habt es bald geschafft. Sapere aude

19.08.2019 14:38 frank d 4

Wie hoch ist eigentlich die Haushaltsabgabe für Geschäftsräume? Wie viel Euro gehen für die EEG umlage drauf, wie haben sich eigentlich die Personalkosten entwickelt? Warum sind eigentlich alle studieren? Keine Gärtner aber ganz viel Genderexperten? Ich bin gespannt wovon die bald alle leben.
Und nicht zu allerletzt die gesamte noch funktionierende Bürokratie hat sich ja darauf spezialisiert die fleißigen zu drangsalieren mit immer neuen Regeln aus Absurdistan. Aber das passt natürlich alles nicht so gut ins Weltbild, darum sind es die bösen Vermieter solitär

19.08.2019 11:34 aus Dresden 3

das lebendige Handwerk ist einer der Pluspunkte Dresdens - schade dass die Stadt (Stadtrat, Obgm Hilbert) dies sogar mit seiner Politik aktiv behindert

19.08.2019 10:50 Mane 2

Da kommt kein Investor nach Deutschland, wenn Miete hoch ist.Aber in Deutschland lernt man nichts dazu.

19.08.2019 07:52 optinator 1

Mit steigenden Mieten sprudeln auch weiterhin die Steuereinnahmen des Staates.