Zahlen des Innenministeriums 1.400 gewaltbereite Fußballfans in Sachsen

Die Kosten für Polizeieinsätze bei Fußballspielen - insbesondere bei sogenannten Hochrisikospielen - steigen seit Jahren. Immer wieder gibt es die Forderung, die Vereine an den Kosten zu beteiligen. Schließlich sind es ihre Anhänger, die immer wieder für Chaos, Gewalt und Randale sorgen. Damit die Polizei Einsätze besser planen kann, stuft sie Fans in Kategorien ein. Für Sachsen liegen MDR AKTUELL aktuelle Zahlen zu gewaltbereiten Fußballfans vor.

Im Dresdner Fanblock wird Pyrotechnik abgebrannt und in Richtung Rostocker Fans geworfen und geschossen.
Die Zahl gewaltbereiter und gewaltsuchender Fußball Fans in Mitteldeutschland hat sich zuletzt kaum verändert. Bildrechte: dpa

Die Zahl der gewaltbereiten Fußballanhänger in Sachsen bleibt weiter auf hohem Niveau. Das hat eine MDR-AKTUELL-Auswertung von bisher unveröffentlichten Daten des sächsischen Innenministeriums ergeben. So gingen die Behörden Ende 2019 von insgesamt knapp 1.400 gewaltbereiten und gewaltsuchenden Fans aus. 2017 waren es rund 70 mehr.

Die Zahlen betreffen den Erstligisten RB Leipzig (80), die Zweitligisten Erzgebirge Aue (180) und Dynamo Dresden (500) sowie vier Dritt- und Viertligisten (630).

Kategorien: Die Behörden teilen Zuschauer von Fußballspielen in Deutschland in drei Kategorien ein. Demnach finden sich in der Kategorie A friedliche Zuschauer, in der Kategorie B gewaltbereite/-geneigte Fans und sogenannte gewaltsuchende Anhänger in der Kategorie C.

Dynamo kritisiert Kategorisierung von Fans

Football Army Dynamo Dresden
Für Aufsehen und Gerichstverfahren sorgte 2017 der Auftritt der "Football Army Dynamo Dresden" in Karlsruhe. Bildrechte: imago/Jan Huebner

Den höchsten Anteil mit 400 gewaltbereiten Fans der Kategorie B und 100 gewaltsuchenden Fans der Kategorie C hat Zweitligist Dynamo Dresden. Die Entwicklung ist im Vergleich zur Vorsaison jedoch leicht rückläufig. 2018 hatten die Behörden noch insgesamt mehr als 600 gewaltbereite und gewaltsuchende Fans geschätzt.

Michael Born, kaufmännischer Geschäftsführer von Dynamo Dresden, kritisierte die Zählweise. "Wir können nicht nachvollziehen, welche Menschen sich konkret aus unserem Fanumfeld dahinter verbergen", sagte er MDR AKTUELL. Es sei außerdem nicht transparent, nach welchen Kriterien Menschen in die angegebenen Kategorien einsortiert werden.

RB Leipzig setzt auf präventive Fanarbeit

Für Erstligist und Champions-League-Teilnehmer RB Leipzig zählen die Behörden mit 80 Kategorie-B-Fans das geringste Aufkommen. Der Verein teilte mit, die präventive Fanarbeit und die Selbstregulierung der Fanszene funktioniere nach wie vor gut. Man wolle weiter familienfreundlich bleiben.

Rund um den Viertligisten BSG Chemie Leipzig gibt es demnach 100 Kategorie-B-Fans und 20 Kategorie-C-Fans. Ein Sprecher des Vereins zeigte sich in einer ersten Reaktion überrascht. Man gehe in Absprache mit der Polizei meist von 60-80 Kategorie-B-Fans aus.

Neue Polizeibewertung des Chemnitzer FC

In der Analyse der Zahlen sticht der Chemnitzer FC heraus. Nur bei diesem Verein hat es eine deutliche Zunahme der Kategorie-B-Fans gegeben. Waren es 2017 noch potenziell 80 Personen, gehen die Behörden jetzt von 120 Personen aus. Die Zahl der Kategorie-C-Anhänger blieb dagegen mit 30 gleich.

Der Grund für die höhere Zahl ist laut einem Sprecher der Chemnitzer Polizei eine veränderte Zählweise. So werde seit Juli 2018 nicht nur analysiert, wie viele Kategorie-B-Fans es gerade gebe. Es würden nun auch Personengruppen mit gerechnet, die bei einem Spiel zu erwarten wären, aber nicht immer präsent sind. Damit werde Erfahrungen aus der Vergangenheit Rechnung getragen. Die Polizeieinsätze rund um die Spiele des CFC könnten so besser geplant werden.

Zahlen dienen nur der groben Orientierung

Dem sächsischen Innenministerium zufolge stellen die Daten "eine ungefähre Bewertung des im Umfeld des Vereins vorhandenen Gewaltpotenzials" dar. Aus diesen könnten keine "Rückschlüsse auf die jeweilige Mobilisierung dieser Szene gezogen werden".

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 17. Dezember 2019 | 07:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Januar 2020, 05:00 Uhr