Nach Unglück in Krefeld Wie es um den Brandschutz in mitteldeutschen Zoos bestellt ist

Es sind traurige Bilder, die man seit Neujahr vom Krefelder Zoo sieht: Das Affenhaus ist abgebrannt, in den Flammen starben mehr als 30 Tiere. Auslöser des Feuers waren wohl Himmelslaternen aus Papier, die zwar längst verboten sind, die man trotzdem aber noch kaufen kann. Vor solchen Risiken kann sich ein Zoo nur schwer schützen. Warum ist das so und welche Brandschutzmaßnahmen gelten in den Zoos in Mitteldeutschland? Ein Blick nach Halle und Magdeburg.

von Theresa Liebig, MDR AKTUELL

Das ausgebrannte Affenhaus im Krefelder Zoo
Wäre so ein Brand auch hier in Mitteldeutschland möglich? Bildrechte: dpa

Tom Bernheim ist Pressesprecher im Bergzoo Halle und erinnert sich noch gut an ein Feuer, das vor einiger Zeit mal im Zoo ausgebrochen ist: "Das war so eine pädagogische Schauwand, eine Spielwand, die unter anderem auch so Lampen enthält, und da hatte sich ein Fetzen Stoff entzündet." Doch das Feuer konnte schnell gelöscht werden, weil alle Warnsysteme funktioniert haben.

Strenge Brandschutzregeln für Zoos

Der Bergzoo in Halle unterliegt, wie alle zoologischen Gärten in Deutschland, den Gesetzen zum Brandschutz. Bevor ein Zoo öffnen kann, erfolgt die Brandschutzabnahme. Danach gibt es jedes Jahr Brandschutzkontrollen.

Deutschland habe einige der strengsten Brandschutzbestimmungen in Europa, sagt Zoosprecher Tom Bernheim. Wenn aber das Feuer von oben auf das Dach falle, wie es wahrscheinlich in Krefeld passiert ist, helfe das auch nicht: "Da ist natürlich niemand gefeit. Dort würde auch eine Brandschutztechnik nichts ausrichten können, die vielleicht im Haus angebracht ist. Wenn das Feuer von außen auf das Dach fällt und etwas entzündet, da ist eigentlich kein Kraut gegen gewachsen."

Wie sich der Magdeburger Zoo schützt

Das sagt auch Kai Perret, Geschäftsführer des Zoologischen Gartens in Magdeburg. Es gebe es einen Feuerwehrplan, den man gemeinsam mit der Feuerwehr entwickelt habe. Also: Wo befinden sich Hydranten? Wo können die Feuerwehrautos entlangfahren und halten? Außerdem habe die Feuerwehr in Magdeburg Schlüssel, um auch dann in den Zoo zu kommen, wenn sonst niemand mehr da ist.

Aber vor allem bei Tropenhäusern gebe es eine Schwierigkeit: Herkömmliche Brandmeldeanlagen würden dort nicht funktionieren. "In diesen Häusern haben wir eine hohe Luftfeuchtigkeit, wir haben eine relativ hohe Staubbelästigung, da ist diese Technik überhaupt nicht für geeignet, sodass also das, was wir so kennen aus dem Wohnumfeld, nicht funktioniert und deswegen sind diese Anlagen auch nicht eingesetzt", erklärt Perret.

Tropenhäuser besonders gefährdet

Auch das Affenhaus in Krefeld hatte keine Brandmeldeanlage. Das sei nicht vorgeschrieben, erklärte der Zoo. Hätte das Unglück aus Krefeld also so auch in Magdeburg passieren können? Wahrscheinlich schon, sagt Kai Perret vom Magdeburger Zoo: "Denn diese Tropenhäuser sind häufig aus Kunststoff gebaut worden. Alles, was dann von außen kommt, ist dann nicht beherrschbar und Kunststoff ist eben auch leicht brennbar, sodass auch bei vielen anderen Zoos, die mit solchen Häusern ausgestattet sind, die Gefahr besteht."

Evakuierung von Tieren schwierig

02.01.2020, Nordrhein-Westfalen, Krefeld: «Wir werden euch vermissen!» steht auf einem Zettel, der an einen Plüschaffen geklebt ist. Zahlreiche Bilder, Plüschtiere und Kerzen liegen vor dem Haupteingang des Krefelder Zoos.
Vor dem Kreefelder Zoo haben Besucher hunderte Kerzen angezündet. Bildrechte: dpa

Und wenn wirklich Feuer ausbricht, zum Beispiel im Schimpansenhaus, wie evakuiert man die 1.500 Quadratmeter? Das komme darauf an, sagt Perret. Es gebe ungefährliche Tiere, die könne man "einfach unter den Arm klemmen". Bei einem Menschenaffen ginge das nicht, das sei zu gefährlich: "Und da ist eine Evakuierung schwierig. Denn man hat immer die Zeit, wenn man eine Narkose setzt, von 16 bis 20 Minuten, um ein Tier auch für sich selbst gefahrlos aus einem Bereich herauszubekommen."

Außerdem könne man das nicht üben, denn niemand wolle den Tieren solche Extremsituation zur Übung antun. Kai Perret appelliert deshalb an jeden Einzelnen: Finger weg von Feuer und Feuerwerkskörpern in der Nähe von Zoos und Tierparks.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 03. Januar 2020 | 05:17 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. Januar 2020, 05:00 Uhr