Die Fahnen von Deutschland und Sachsen wehen vor dem Sächsischen Landtag im Wind.
Vom Musterschüler zum Sorgenkind - Sachsens Image in der Bundesrepublik. Bildrechte: dpa

Vor der Landtagswahl Sachsens angeknackstes Image in der Bundesrepublik

In zwei Wochen wird in Sachsen gewählt – und die Bundespolitik schaut interessiert, wenn nicht angespannt auf den Freistaat. Die Wahlergebnisse könnten mau ausfallen für CDU und noch mauer für die SPD. Die AfD hingegen erwartet einen Erfolg. Überhaupt hat Sachsen zuletzt bundesweit nicht die besten Schlagzeilen gemacht. Nicht selten ging es um Fremdenfeindlichkeit im Freistaat. Dabei ist Sachsen doch lange der Musterschüler im Osten gewesen, zum Beispiel mit guter wirtschaftlicher Entwicklung.

von Vera Wolfskämpf, Hauptstadtkorrespondentin, MDR AKTUELL

Die Fahnen von Deutschland und Sachsen wehen vor dem Sächsischen Landtag im Wind.
Vom Musterschüler zum Sorgenkind - Sachsens Image in der Bundesrepublik. Bildrechte: dpa

Sachsen hat durchaus einen besonderen Stand in Berlin – aus verschiedenen Gründen. Einen erläutert Albert Weiler, CDU-Bundestagsabgeordneter aus Thüringen:

Der Osten sei insgesamt meist nicht so stark in der Regierung vertreten, aber zumindest die Sachsen würden oft in der ersten Reihe mitspielen. Sie hätten mit de Maizière den Innenminister gestellt und hätten jetzt mit Marco Wanderwitz einen wichtigen Staatssekretär im Innenministerium, erläutert Weiler: "Der Stand von Sachsen in der Regierung und in der Fraktion ist, auch wenn man die ganze Ostgruppe betrachtet, sehr hoch aus meiner Sicht."

De Maizière: Sachsen war lange Musterschüler

Und der genannte ehemalige Innenminister, Thomas de Maizière, hat lange Jahre miterlebt, wie die Regierung auf Sachsen schaut:

Thomas de Maiziere
Mit de Maizière saß vier Jahre ein Sachse im Innenministerium. Bildrechte: imago/Arvid Müller

Sachsen war sozusagen seit 1990 immer so etwas wie der Musterschüler. Da ist immer vieles am besten gelungen: Große wirtschaftliche Ansiedlungserfolge, schnellere Baugenehmigungen und Planungsverfahren als anderswo, eine wache Bevölkerung, Forschung und Entwicklung.

Thomas de Maizière Ex-Innenminister

Aktuelles Beispiel: Sachsen ist diese Woche wieder auf Platz 1 des Bildungsmonitors gelandet. Und nicht zuletzt war der Freistaat für die CDU im Bund immer eine sichere Bank.

Doch das hat sich in den letzten Jahren verändert, weiß auch de Maizière als mittlerweile einfacher CDU-Bundestagsabgeordneter aus Meißen. Die bundesweit besten Wahlergebnisse für die AfD, der starke Zulauf für Pegida, die fremdenfeindlichen Übergriffe – all das habe in letzter Zeit für Erstaunen gesorgt, meint de Maizière.

Linke und Grüne kritisieren "Schubladendenken"

Das angekratzte Image bedauert auch die Linken-Chefin Katja Kipping. Sie kritisiert aber: Der Rest der Bundespolitik macht es sich damit ziemlich einfach. Als sei es ein Reflex zu sagen, in Sachsen seien alle Rechts und dort sei die AfD besonders stark: "Also ist das ein Problem von Sachsen und nicht unser Problem. Das ist natürlich weit gefehlt."

Aber stempeln nun alle in der Bundespolitik die Sachsen einfach ab? Grünen-Chefin Annalena Baerbock schüttelt den Kopf. Sie hält es für falsch zu sagen, alle Sachsen seien rechts – so wie auch alle Niedersachsen und Bayern nicht alle gleich seien.

Annalena Baerbock, Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, stellt auf einer Pressekonferenz das Bund-Länder-Sofortprogramm zum Klimaschutz vor.
Grünen Bundesvorsitzende Baerbock. Bildrechte: dpa

Und ich glaube, dieses Schubladendenken, was in letzter Zeit leider ein bisschen zugenommen hat, das hilft uns in der gesellschaftlichen Debatte nicht weiter.

Annalena Baerbock Bündnis90/Die Grünen

Und auch für den Ruf in der Bundespolitik gilt: Der ganze Freistaat und seine Sachsen passen eben nicht in eine Schublade.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 17. August 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. August 2019, 05:00 Uhr

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161 Kommentare

19.08.2019 05:26 Auf der Sonnenseite des Lebens 161

@Peter 157
"würde ich mich allerdings fragen, wer für das miese Image Sachsens verantwortlich wäre"

bei Tourismus fällt mir gerade ein, wer ist für den Vandalismus in der sächs. Schweiz verantwortlich, wer reist die Wegweiser runter?

meinen sie diese miese Image?

19.08.2019 05:24 Auf der Sonnenseite des Lebens 160

@MDR 158

ich halte mich da lieber an die Schlagzeile:
"Erstmals haben Touristen in Sachsen mehr als 20 Millionen Übernachtungen gebucht – damit verzeichnete die sächsische Tourismusbranche im Jahr 2018 einen historischen Rekord."

nachzulesen bei wirtschaft-in-sachsen.de

das nach so einem hervorragenden Jahr auch mal ein gewisser Stillstand eintritt, ist doch klar.

Nichtsdestotrotz sind die Brucherzahlen hervorragend.

19.08.2019 00:58 Buergerx 159

Immer wenn von schlechtem Image erzählt wird, ist die Frage, wer dieses so empfindet. Mir ist völlig egal, wie Westdeutsche oder Linksliberale, Grüne und Gleichgesinnte all over the World über Sachsen denken. Es steht nirgends geschrieben, dass wir bspw. NRWlern gefallen müssen. Ob sie den Sachsen gefallen, fragen die sich auch nicht. Die Ungarn, Polen etc. haben eher ein positives Image von Sachsen, von einigen Altbundesländern eher ein schlechtes. Nun verlange ich doch auch nicht, dass westdeutsche Bundesländer ihre Politik daraufhin ausrichten, bspw. den Ungarn zu gefallen. Dtl. Image hat seit der Migrationspolitik bei so einigen EU-Ländern ein eher schlechtes Image, wenn auch nicht offiziell verlautet. Und? Interessiert das unsere Regierung oder die Leute, die sich über die Sachsen aufregen? Es gibt keine Pflicht zu Weltoffenheit, Toleranz... , es gibt ja auch keine zu einer geschlossenen Gesellschaft, Intoleranz... Und es gibt Investoren, Unternehmen... für beide Modelle

18.08.2019 21:12 Auf der Sonnenseite des Lebens 158

@Peter 157
"würde ich mich allerdings fragen, wer für das miese Image Sachsens verantwortlich wäre"

Ich kann kein mieses Image sehen, mit der Wirtschaft geht es voran, der Tourismus boomt, ...

[Liebe/r Auf der Sonnenseite,
tatsächlich musste Sachsen in Sachen Touristik teilweise Einbüßen verzeichnen. Nachzulesen hier: https://www.mdr.de/sachsen/tourismus-barometer-sparkassen-100.html
Ihre MDR.de-Redaktion]

18.08.2019 20:55 Peter 157

@155 Sonnenseite: Ich gehöre nicht zu Ihren WhatsApp Kontakten.
Wenn ich Ihren Link erhalten hätte, würde ich mich allerdings fragen, wer für das miese Image Sachsens verantwortlich wäre und was ich dafür tun könnte, Sachsen wieder in ein besseres Licht zu versetzen.

18.08.2019 20:47 Auf der Sonnenseite des Lebens 156

@Peter 153
"Toleranz und Weltoffenheit gelebt werden."

von Toleranz und Weltoffenheit dreht sich noch keine Maschine!

Dort wo die Menschen anpacken können, da boomt die Wirtschaft!

Und die Sachsen können das und das merkt die Wirtschaft jetzt und die Wirtschaft folgt denen, die wieder in ihre Heimat gehen nach Jahrelangen arbeiten in den alten Bundesländern. (Punkt)

Der Sachse ist ein Heimatverbundener Mensch!

18.08.2019 20:28 Auf der Sonnenseite des Lebens 155

ich habe den Link zu diesen Beitrag jetzt erst einmal an die unschlüssigen aus meinen WhatsApp Kontakten verschickt.

Ich sehe diesen Beitrag ein wenig als Entscheidungshilfe.

18.08.2019 19:57 gerd 154

Das gute ist an dem Sachsenbashing das hauptsächlich aus dem Westen kommt ,das Ihr Wessis nicht mitwählen dürft ,eure schlauen Sprüche könnt ihr hier zwar ablassen aber viele Ostdeutsche haben schon Viele Jahre eure Besserwisserei satt und scheren sich nicht um eure Meinung.

18.08.2019 19:47 Peter 153

@152 Micha: "Sachsen boomt". Ja klar, in Städten, wo Toleranz und Weltoffenheit gelebt werden.
Ansiedlung von Unternehmen aus dem Ausland. Warum nicht. In Städten, wo Toleranz und Weltoffenheit gelebt werden.
Sie sehen, wirtschaftlicher Erfolg und damit Jobs gibt dort, wo Toleranz und Weltoffenheit gelebt werden.

18.08.2019 19:17 Micha 152

Von einem angeknacksten Image kann beileibe keine Rede sein, Sachsen boomt und auch eine eventuelle Wahl der AfD wird daran nichts ändern, im Gegenteil vielleicht führt das sogar zu Zuzug und Ansiedlung von Polnischen, Ungarischen oder Amerikanischen Unternehmen...