Bob Dylan: Travelin' Thru
Plattencover von "Travelin' Thru" - die Bob Dylan Bootleg Series Nr. 15 Bildrechte: soni music

"Travelin' Thru" - Bootleg Series Nr. 15 Gemeinsame Session: "Bob Dylan hätte länger mit Johnny Cash proben sollen"

1967 traf sich Bob Dylan das erste Mal mit seinem Helden Johnny Cash. Cash lud Dylan in seine Johnny Cash-Show ein und Dylan wollte, dass Cash auf seinem Album "Nashville Skyline" sang. Auf diese kurze Zeitspanne konzentriert sich "Travelin' Thru", der mittlerweile 15. Teil der Bob Dylan Bootleg Series: also CDs, auf denen verschollene, nicht veröffentlichte Aufnahmen nun ganz offiziell herausgebracht werden. MDR KULTUR-Musikredakteur Jan Kubon hat reingehört.

Bob Dylan: Travelin' Thru
Plattencover von "Travelin' Thru" - die Bob Dylan Bootleg Series Nr. 15 Bildrechte: soni music
Bob Dylan: Travelin' Thru 9 min
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MDR KULTUR: Bob Dylan ging sozusagen als Country-Novize mit dem großen Johnny Cash ist Studio. Da konnte er doch eigentlich nur hinten runterfallen, oder?

Jan Kubon: Man muss wissen, da gab es auch vorher schon eine Verbindung, die auf gegenseitigem Respekt beruhte. Cash nannte Dylan einen der wichtigsten Songschreiber der USA, und Cash war für Dylan die Institution, wenn es um das ging, was Dylan immer als seine musikalische Heimat nannte: nämlich die Songs des alten Amerikas, der Einwanderer, der Outlaws, der Hobos und Native Americans. Doch immer, wenn Cash auftaucht, ist Dylan der Lernende. Da gibt es eine schöne Szene auf der zweiten CD: Die beiden spielen zusammen einen alten Folksong: "Mountain Dew", und da hilft Cash Dylan mit dem Text aus. Am Ende bietet er ihm sogar an, den Text aufzuschreiben. Dylan ist da ganz respektvoll, fast schüchtern.

So eine "Lehrstunde" zu veröffentlichen - das ist doch schon mutig für eine Legende wie Dylan?

Johnny Cash
Johnny Cash Bildrechte: IMAGO

Er ist ja keiner, der groß über sein Werk redet, und es ist ein einfacher Weg für Bob Dylan zu zeigen: Das ist ein Schlüsselmoment in meinem Leben, ich kann das ertragen, wenn ich da als Schüler rüberkomme. Aber ganz klar - Cash ist die dominante Figur in diesen Sessions. Cash gibt die Songs vor, er hat seine eigene Band mit dabei. Musikalisch sind diese Sessions, die ja auch immer so eine Aura hatten, ganz ok. Das liegt auch daran, dass sie von einer der routinierten Country-Band begleitet werden. Die CDs zeigen: Es ist ein Treffen zweier Freunde, die sich verehren und die sich ein paar Songs vorspielen, die zusammen jammen. Mehr ist es aber nicht.

Aber es gab das Gerücht, dass Dylan ganz zufrieden war mit den Duetten, und dass ein ganzes Doppelalbum dabei herauskommen sollte?

Bob Dylan
Bob Dylan Bildrechte: IMAGO

Es ist ganz gut, dass daraus nichts geworden ist. Wenn man sich die Songs anhört, die meisten klingen unfertig, schusselig und eben nicht so gut wie die Originale. Die Basis war super, aber sicher hätte man da länger proben müssen. Das ist unterhaltsam, aber unbedingt gebraucht hätte ich eine ganze Box mit drei CDs nicht. Gerade bei CD 2 hört man sehr genau, warum genau diese Aufnahmen eben nicht auf CD erschienen sind. Man hört, dass es vielleicht besser war, den Mythos um diese Sessions am Kochen zu halten und damit möglicherweise auch das doch eher schwache Album "Nashville Skyline" mit einer Aura zu umgeben und auch in den Verkaufszahlen zu fördern.

Und was ist auf CD 1 und 3?

Jan Kubon, Musikredakteur bei MDR KULTUR.
Musikredakteur Jan Kubon Bildrechte: MDR/Robert Kühne

CD 1 sind Outtakes zu John Wesley Harding, wo Dylan nur Gedichte vertont hat. Auch da wird klar, warum diese Versionen damals nicht genommen wurde: Die Band ist nicht eingespielt, es holpert, Dylans Intonation mit seiner neuen Stimme, die er da für sich entdeckt hat - irgendwo zwischen Hank Williams und Kermit - sitzt nur sehr selten. Und die Mundharmonika passt teilweise nicht in der Stimmung zur Band, das tut wirklich weh. Zum Ende wird es besser - und hätte man da die besten Songs rausgenommen und die ganzen Proben weggelassen, dann hätten die insgesamt drei CD's auch auf eine gepasst, das wäre für die Umwelt besser gewesen.

Warum werden dann solche Aufnahmen, die nicht brillant oder nur was für Komplettisten sind, doch veröffentlicht?

Alle, die da rein wirtschaftliche Interessen vermuten, liegen nicht ganz falsch. Denn nach 50 Jahren verfallen die Rechte an den Aufnahmen und jeder, der aus was auch für Gründen, in Besitz dieser Aufnahmen ist, kann diese veröffentlichen - natürlich unter Nennung der Künstlercredits und auch unter Wahrung der Urheberrechte. Um das zu verhindern, werden jetzt immer in regelmäßigen Abständen Sachen herausgebracht, Bootlegs veröffentlicht - und dann geht das wieder von Neuem los. Dann gibt es wieder 50 Jahre Rechteschutz. Das steckt dahinter, warum man künstlerisch minderwertigere Produkte veröffentlicht.

Das Gespräch führte Vladimir Balzer für MDR KULTUR.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 08. November 2019 | 08:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. November 2019, 08:40 Uhr